Farnschiffe

The Schwarzenbach
„Farnschiffe“
CD, ZickZack ZZ2038
VÖ: 26. Oktober 2012

Endlich kam das Fieber.
Annemarie Schwarzenbach: …nicht mehr viel Zeit

Elf Stücke, in denen manchmal die Musik spricht und die Texte klingen, manchmal umgekehrt. Am Anfang führt eine Melodie durch ein Leben mit wenig Geld, das trotzdem keine Angst vor Morgen hat, am Ende kommt dieselbe Melodie als Liegewiese für eine Liebe zurück, aber es sind trotzdem zwei verschiedene Songs. Dazwischen geht erst Redeblues durch die Basslandschaften von Johannes Frisch spazieren („Nein Sprich Nein Sklave“), dann covert die Band eine Seewind-Erinnerung von Beth Nielsen Chapman („Seven Shades of Blue“), beschwert sich eckig über Computerfirmen („Positive Außenhandelsbilanz“), wiegt mit summendem Trost alle Irren in den Schlaf („Therapeutikon“), geht kurz in die Kühlschrankdisco („Arme Handwerkerin“), klatscht zusammen in die Hände („Streitkräfte aus Zimt“), zündet eine Kirsche an („Vergebung“), verführt den absichtlich in Tee mit Rum eingeweichten Dieter Bohlen („Castingflirt“) und feiert die Göttin Fußball („Tender Disquisitions (Bianca Schmidt))“, bevor sie in einem fast neunminütigen Ritual, das alle Sounds, Farben und Schwingen freilässt, die das Album geweckt hat, langsam davonsegelt.

Seit ein paar Jahren treten drei vom Karlsruher Jazz-Electronica-Rock-Postpudding-Projekt „Kammerflimmer Kollektief“ immer wieder mit dem Schriftsteller und Kugelschreibersammler Dietmar Dath in Theatern und bei Beschwörungsfestivals auf. Frisch und sein Bass haben dabei nie vergessen, wo unten und wo vorne ist. Am Anfang las Dath bloß was vor, und die Band ließ sich nicht stören. 2009 entstand, weil man sich immer stärker aufeinander zubewegte, das Musikbuch „Im erwachten Garten“. Im Weitermachen fanden sich dann Lieder, die Heike Aumüller und Thomas Weber noch nicht kannten, obwohl sie von ihnen waren – Stücke, die meist besser wussten, was Dath mitteilen mochte, als er selbst, und die plötzlich verlangten, dass die Beteiligten sich als eine neue Band begriffen. Die Dichterin Annemarie Schwarzenbach hatte zum Glück gerade einen ausgezeichneten Nachnamen dabei, so dass man schnell wusste, wie man zusammen heißt.
Jetzt ist die erste Platte fertig.



Was die Presse sagt:

»Spritzbesteckblues! Dath injiziert dem Kammerflimmer Kollektief eine Prise Rock’n’Roll und singt dabei wie einer, der nach Bowie klingt, wenn dieser wiederum nach Lou Reed klingen möchte. (…) „Farnschiffe“ funkelt von wunderbaren Pop-Momenten, ist voller Humor, aber nie humorig. Jedes Lächeln ist hier eine Melancholie, und hinter jeder Pointe lauert ein tragischer Abgrund.«
Thomas Hübener, Spex

»Dietmar Dath macht den Bowie, der gerade den Distelmeyer gefrühstückt hat, der zuvor noch Nick Cave beim Rasieren half. Ist das Blues? Chanson? Rock’N’Roll? Dub? Absinth-Jazz? Antworten wird es nicht geben. Hoffnung versteckt sich in Arbeit. Und Weisheit hat keine Feinde. Atemberaubend. (…) Dath schmiegt sich in die Lieder. Er legt alles rein. Er gibt den Rhythmus vor. Er bleibt ernst. Er zieht nicht den Clown- oder Nicht-Sänger-Bonus. Er versteht sich als Teil des Ausdrucks. Seine Worte sind weise gewählt. Nichts verkompliziert seinen Vortrag. Nur der Kontrabass schlägt Purzelbäume. Das Harmonium setzt die Melodie. Verstärker. Bettina weint. Die Jury hat gesprochen. Sie ist kein Star. Weil sie nie einer war. Starkes Album.«
Zloty Vazquez, Jahrgangsgeräusche

»Farnschiffe ist eine aktuell vergleichslose Produktion, die in ihrer außergewöhnlichen Symbiose von Text und Sound Rätsel aufgibt.«
Stefan Koroschetz, skug

»Dath liest nicht nur, er croont, schwelgt, krächzt und kreischt, geht aus den gesanglich kaputtesten Momenten als Triumphator hervor, der das, was zu sagen, ähm, singen ist, um jede Synthesizer-, Kontrabass, Harmonium- E-Gitarren oder Sonstwas-Klippe schifft. Wobei er sich von Melodien und Mantren, Auf- und Ausbrüchen tragen lässt. Erinnert mal an The Ex oder andere Avantgarde-Punks, an Pram odere andere Low-Fi-Feen, an The Pop Group oder andere Postpunk-Krawallisten. Aber immer daran, dass es mehr bislang unentdeckte Wesen von zarter Unschuld und alter Weisheit geben müsste wie The Schwarzenbach.«
Wolfgang Frömberg, Intro

»Was Störung oder bloßes Geräusch ist, wird durch Wissen zum Klang. Das ist wie Zauberei. Dath und seine Musiker, die nun wirklich hervorragend sind – die versuchen sich auf ihre Weise am Widerspruch. Klanglich verankern sie sich gekonnt in der popmusikalischen Geschichte, halten sich an ihr fest und stoßen sich von ihr wieder ab. (…) Es ist kaum zu glauben. Aber doch so schön.«
Christian Schlüter, Frankfurter Rundschau

»Die Musik ist immer schon da, wenn der Text sich einmischt, und bleibt auch danach noch ein Weilchen. Basslinien oder -punkte, knarzende Geräusche, Rückkopplungen, Drumcomputer, vibrierende Synthesizer, Harmonium, Wah-Wah-, Distortion- und Echo-Effekte, Heike Aumüllers sphärischer, zartstarker, oft den Text antizipierender Background-Gesang – der Sound ist ein Teppich, dem man beim Gewobenwerden zuhören kann. Die Fäden kommen aus allen möglichen Gegenden der Popgeschichte, des Bauches und Kopfes. Es sind instrumentelle Stimmen, die stottern, gurgeln, wehklagen, berichten können, jede für sich, alle zusammen. Das klingt mal nervös, mal gelassen, oft melancholisch, aber immer schön. Daths Texte, gereimte und erzählende, handeln zumeist von traurigen Scheinleben, Weltfluchten und Glückssuchen, den komischen Widersprüchen darin, manchmal scheint so etwas wie ein Ausweg auf. Die gepeitschten Leute in den Songs suchen ihr Heil bei Buddha und beim Psychologen, aber da ist es nicht. Wo ist es dann? »Besser als die Therapeuten/ helfen den getrennten Leuten/ statt im Kreis herum zu wandern/ zwei, drei Worte von den andern/ die so wie sie selber leiden/ nur die Wahrheit nützt uns beiden«.
Martin Hatzius, Neues Deutschland

»Das klingt genau so wie man sich’s vorstellt: Musik von entrückter Lässigkeit mit einem klitzekleinen Ästchen im Popo, dazu erzählt Dietmar Wundersames.«
Ewald Braunfelser, Vice

»Denn so weit draußen, wie die legendäre lesbische Drogenesserin und Reisende aus besten Kreisen Annemarie seinerzeit war, so weit draußen bewegt sich heute dieses, tja, Bandprojekt. „Farnschiffe“ bietet Musik jenseits aller Genres mit ziemlich cleveren literarischen Texten. Sounds und Worte lassen einander jede Freiheit, sind spielerisch und verbindlich gleichzeitig. Sucht man nach Referenzen, kommt einem nur ein Album in den Sinn, das vergleichbar „fremd“ neben allem Zeitgenössischen stand: „While The Recording Engineer Sleeps“ von The Cocoon aus dem Jahre 1987 – ein Projekt der Hälfte der 39 Clocks mit dem Göttinger Free Jazzer Gunter Hampel.«
Ulrich Kriest, Pony

»Ein ebenso musikalischer wie lyrisch anspruchsvoller Trip. Klingt wie eine Mischung aus Foyer des Arts und Tom Waits’scher Score-Musik.****«
Maik Brüggemeyer, Rolling Stone

»Da verstehen wir mal wieder was ein SONG ist! Ein Lied mit Text – und so solls sein. Vielleicht sind The Schwarzenbach aber auch ein hybrides Soundgespenst mit wut-soulgefüllten Sprechblasen.«
Kerstin & Sandra Grether

»Über diese Platte muss noch mehr geschrieben werden.«
Dr. Christoph Jacke, De:Bug

»Dieses Zitat ist nicht von mir.«
Doktor Thomas Steinfeld, Sudetendeutsche Heizung

»Einmalige Balance zwischen Sprache und Musik, Worten und Noten.«
Hendrik Kröz, Groove

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